Sehr zu empfehlen ist, sich mit der Verwendung des osteuropäischen Sensenbaums / Worbs auseinanderzusetzen, wenn man sich für mögliche Variationen des Sensenmähens begeistern kann. Das vielleicht bestechendste beim Einsatz dieses Worbs ist, daß fast automatisch zwei gerne begangene Technikfehler ausgemerzt werden:

Durch leicht veränderte Hebelverhältnisse entlang der Baum-Achse “hängt” das Sensenblatt derartig am Griff der rechten Führungshand, dass das Heben des Blattes beim Schwungholen einen solchen Kraftaufwand nötig machen würde, daß man dieses von selbst unterläßt.

Des weiteren kann man gar nicht anders, bedingt durch das Fehlen des oberen Griffes, als das Blatt in seinem ihm angestammten  Kreisbogen zu führen anstatt, wie gerne gemacht, das Blatt seitlich zu “reißen”. Auch hier gilt, je länger das Blatt, desto laufruhiger ist sein Schnitt. 

Insofern, selbst wenn dies am Anfang etwas vermessen wirken mag, kann man sich zur XXL-Dimensionierung bekennen, sprich ein Worb, der weit über Haupteslänge reicht, ausgestattet mit einem Blatt, welches man normalerweise für sich als zu lang deklarieren würde.

In morgenfrischem, kniehohen Gras auf entsprechend glattem Untergrund kann man dann einem wahren Mahdrausch verfallen.

 

Zu bauen ist der Sensenbaum erschreckend einfach und stellt nicht nur von der Kostenseite eine ernstzunehmende Alternative für die ergonomisch optimierten Wörbe der bekannten Qualitäts-Hersteller dar.

Ein vorzugsweise aus dem Stamm gespaltener Rohling bildet die Grundlage für diese anfänglich grobschlächtig wirkende Variante eines Worbs. Bei zähen und langfasrigen Holzarten wie Eiche oder Esche kann man dann des Gewichtes wegen gefühlvoll an die Grenzen der Statik gehen, indem die landläufigen Querschnitte minimiert werden bis zu einem Ausmaß, das sich der Worb etwas “wabbelig” anfühlt. Gerne kann dabei das obere Drittel um einiges schlanker geformt werden als der “Wurzelbereich” da sich die Kräfte, die dort abgefangen werden, in Grenzen halten.

Der einzige, sich leicht vom Nutzer weg neigende Griff befindet sich in Bauchnabelhöhe und ist derartig in die Achse eingezapft, daß er - der natürlichen Stellung der Hand entgegenkommend - leicht zum Sensenblatt hin weist. Am besten probiert man diese Schokoladen-Stellung aus, indem man den fertig ausgeformten Griff so lange an der Achse positioniert, bis es sich perfekt anfühlt und markiert dementsprechend das Zapfenloch.

Zum Griff selbst sei noch zu sagen, daß man sich unbedingt die Zeit nehmen sollte, ihn mit Hilfe von Raspel, Feile und Sandpapier zu einem wahren “Joy-Stick”  zu verwandeln - blasenfreie Haut an der rechten Hand dürfte ausreichender Lohn dafür sein.

Die Blattstellung folgt den üblichen Regeln für konventionelle Wörbe, die Schneide in Mähhaltung eine Bleistiftstärke über dem flachen Boden und der Kreis eingestellt mit der der Blattlänge entsprechend hängenden Spitze. Um zu letzterer Einstellung in erster Näherung zu kommen, umfaßt man die Achse mit der linken Hand an der Stelle, wo man das angenehmste Gefühl beim Mähen haben würde und hält sich diesen Punkt beim probeweisen Zirkelschlagen an die Fußbeuge (hier wird vorausgesetzt, daß die Technik des Überprüfens des Zirkels eine Bekannte darstellt). Das individuelle fine tuning erfolgt dann nach den ersten Probeschwüngen.

 

Wer sich in die russischsprachige Sparte von youtube wagt, wird schnell fündig wenn es um Beispiele zum Heumachen mit dieser Form eines Worbes geht, zum Teil in berauschend schönen Landschaften. In diesem Sinne - ein Versuch ist es allemal wert und mag zu einem völlig neuen Mähgefühl führen. Viel Freude!